KI statt Suchmaschinen beim Shopping – wie sich das Kaufverhalten verändert

Viele Menschen in Deutschland beginnen ihren Online‑Einkauf inzwischen nicht mehr bei Google oder Bing, sondern direkt mit einer Künstlichen Intelligenz wie ChatGPT, Gemini oder Claude. Das ist das Ergebnis einer aktuellen dpa‑Studie, die über DIE ZEIT bekannt wurde. Über 50 Prozent der Befragten gaben an, dass sie bei Kaufentscheidungen zuerst eine KI zu Rate ziehen. Klassische Suchmaschinen verlieren an Bedeutung.

Diese Entwicklung zeigt einen grundlegenden Wandel im digitalen Einkaufsverhalten. Statt sich durch lange Trefferlisten zu klicken, erwarten Nutzerinnen und Nutzer direkte Antworten, maßgeschneiderte Empfehlungen und konkrete Vorschläge – genau das, was moderne KI‑Assistenten bieten.

Von der Suchmaschine zur persönlichen Beratung

Noch vor wenigen Jahren war es selbstverständlich, Produkte in eine Suchmaschine einzugeben, Preise zu vergleichen und sich durch Rezensionen zu klicken. Heute sieht das anders aus. Wer beispielsweise ein neues Smartphone sucht, fragt eine KI: „Welches Smartphone unter 500 Euro hat die beste Kamera?“ Anstatt unzählige Links zu liefern, präsentiert die KI eine kurze Auswahl, ergänzt um Vor- und Nachteile sowie individuelle Hinweise.

Dieser Trend hat mehrere Gründe. Erstens sind KI‑Assistenten in der Lage, Sprache zu verstehen und kontextbezogene Antworten zu geben. Zweitens filtern sie Informationen vor und reduzieren so den Rechercheaufwand. Drittens empfinden viele die Interaktion mit einer KI als persönlicher, fast wie ein Gespräch mit einer Beraterin oder einem Berater.

Die Ergebnisse der Studie

Laut der dpa‑Studie, auf die DIE ZEIT verweist, wurden mehrere Tausend Online‑Shopper in Deutschland befragt. Über die Hälfte nutzt KI‑Tools als erste Anlaufstelle, bevor sie einen Kauf tätigen. Besonders junge Zielgruppen zwischen 18 und 35 Jahren greifen häufig zu ChatGPT & Co., während ältere Befragte noch stärker auf klassische Suchmaschinen setzen, aber auch dort wächst die Offenheit gegenüber KI‑Lösungen.

Interessant ist zudem, dass die Zufriedenheit mit KI‑Empfehlungen hoch ist. Viele berichten, dass sie weniger Zeit für die Recherche benötigen und sich besser beraten fühlen. Ein Zitat aus der Studie: „Früher habe ich eine Stunde lang Testberichte gesucht. Heute frage ich einmal ChatGPT und bekomme eine klare, verständliche Antwort.“

Was KI beim Shopping so attraktiv macht

Der größte Vorteil liegt in der Personalisierung. Eine KI merkt sich Präferenzen, Budgetgrenzen oder Stilvorlieben und berücksichtigt diese bei neuen Anfragen. Während eine klassische Suchmaschine neutral bleibt und eine Fülle an Treffern präsentiert, gibt die KI eine gefilterte, auf den Nutzer zugeschnittene Empfehlung.

Ein Beispiel: Wer vegane Schuhe sucht, bekommt von der KI nicht nur eine Liste, sondern auch Hinweise auf Nachhaltigkeitssiegel, regionale Anbieter und Erfahrungsberichte. Das spart Zeit und vermittelt das Gefühl, gezielt beraten zu werden.

Auch die Schnelligkeit spielt eine Rolle. Statt sich durch zehn Vergleichsportale zu klicken, liegt die Antwort in Sekunden vor. Für viele Menschen bedeutet das weniger Frust und mehr Komfort.

Wie Händler reagieren

Online‑Händler und Marken bleiben nicht untätig. Viele integrieren mittlerweile eigene KI‑Chatbots auf ihren Seiten. Andere optimieren ihre Produktdaten so, dass KI‑Systeme diese leichter verarbeiten und empfehlen können. Die klassischen SEO‑Strategien, die über Jahre dominierten, verändern sich. Wer in Zukunft sichtbar sein möchte, muss nicht nur für Suchmaschinen, sondern auch für KI‑Assistenten „optimiert“ sein.

Einige Plattformen arbeiten bereits daran, direkte Schnittstellen zu beliebten KI‑Tools zu schaffen. So kann eine KI beim Nutzeranfrageprozess nicht nur beraten, sondern direkt Bestellungen auslösen oder Wunschlisten anlegen. Händler, die diese Entwicklung ignorieren, riskieren langfristig, den Anschluss zu verlieren.

Chancen und Risiken für Konsumenten

Die Entwicklung hat viele positive Aspekte. Konsumentinnen und Konsumenten profitieren von weniger Zeitaufwand, präziseren Empfehlungen und einem besseren Überblick. Gerade Menschen, die sich in einem Produktsegment nicht gut auskennen, erhalten Orientierungshilfe. Wer sich beispielsweise für Outdoor‑Zelte interessiert, bekommt sofort eine Übersicht mit Wettertauglichkeit, Aufbaukomfort und Preis‑Leistungs‑Vergleich – ohne stundenlanges Suchen.

Doch es gibt auch Herausforderungen. KI‑Empfehlungen beruhen auf Daten, und diese Daten können unvollständig oder voreingenommen sein. Wenn eine KI bevorzugt Produkte bestimmter Marken vorschlägt, könnte das die Vielfalt einschränken. Zudem wissen viele Nutzer nicht genau, auf welchen Quellen die Empfehlungen basieren. Transparenz wird daher zu einem wichtigen Thema: Warum schlägt die KI gerade dieses Produkt vor? Welche Kriterien werden verwendet?

Der Rückgang klassischer Suchmaschinen im Überblick

Suchmaschinen sind nach wie vor relevant, doch sie verlieren beim Thema Shopping ihre Vormachtstellung. Während sie früher die einzige Schnittstelle zum Internet waren, sind sie heute oft nur noch ein Zwischenschritt. Viele starten direkt mit einer KI‑App, manche auch über Sprachassistenten im Smartphone oder im Smart‑Home‑Gerät.

Diese Veränderung erinnert an andere technologische Umbrüche: So wie soziale Netzwerke klassische Newsportale als erste Informationsquelle abgelöst haben, übernehmen KI‑Tools nun die Rolle der Einkaufsberatung. Für Suchmaschinenanbieter bedeutet das, dass sie ihre Dienste erweitern müssen – viele bauen inzwischen selbst KI‑Assistenten ein, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Blick in die Zukunft: Einkaufen mit KI

Was wir heute erleben, ist erst der Anfang. In Zukunft könnten KI‑Systeme noch stärker in den gesamten Einkaufsprozess integriert werden. Man könnte sich vorstellen, dass eine KI nicht nur Produkte empfiehlt, sondern auch die Lieferung koordiniert, Rücksendungen managt und sogar personalisierte Sparvorschläge macht.

Ebenso könnten AR‑Funktionen (Augmented Reality) mit KI kombiniert werden: Ein Kunde fragt nach einer passenden Lampe für sein Wohnzimmer, die KI analysiert per Foto den Raum und schlägt in Echtzeit Produkte vor, die farblich und vom Stil her passen. Solche Szenarien sind keine ferne Science‑Fiction mehr, sondern Gegenstand aktueller Entwicklungen.

Warum das Thema relevant bleibt

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet dieser Wandel vor allem eines: mehr Auswahl und mehr Komfort, aber auch die Notwendigkeit, kritisch zu bleiben. KI‑Tools können Fehlentscheidungen treffen oder durch unvollständige Daten falsche Empfehlungen geben. Es ist daher sinnvoll, sich weiterhin einen Überblick zu verschaffen und die Empfehlungen der KI als Ausgangspunkt zu nutzen, nicht als endgültige Wahrheit.

Für Unternehmen entsteht ein neues Spielfeld. Wer frühzeitig lernt, wie Produkte für KI‑Systeme „auffindbar“ gemacht werden, hat einen Vorteil. Gleichzeitig wird deutlich, dass Datenqualität und Transparenz entscheidend werden. Nur wer nachvollziehbare, aktuelle Informationen liefert, wird langfristig von KIs empfohlen.

Fazit: Ein Paradigmenwechsel im Shopping

Die dpa‑Studie zeigt deutlich: Mehr als die Hälfte der Deutschen nutzt KI bereits als erste Einkaufsberatung. Klassische Suchmaschinen verlieren damit einen Teil ihrer Bedeutung, während KI‑gestützte Assistenten immer stärker in den Alltag eindringen.

Dieser Trend bedeutet nicht das Ende der Suchmaschine, aber eine grundlegende Verschiebung im Informationsverhalten. Für Konsumenten bietet das neue Komfortmöglichkeiten, für Händler neue Chancen – aber auch die Pflicht, sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.

Ob beim Kauf eines Smartphones, bei der Suche nach nachhaltiger Mode oder beim Vergleich von Versicherungen: Die Frage „Was sagt die KI dazu?“ wird immer häufiger gestellt werden. Und die Art, wie wir einkaufen, wird sich in den kommenden Jahren weiter stark verändern.

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